Vor einiger Zeit durfte ich eine Frau begleiten, die auf einem Ohr seit vielen Jahren praktisch nichts mehr hörte.
Für die Klanganwendung verwendete ich ausschließlich zwei Stimmgabeln in der reinen Quinte (C 256 Hz und G 384 Hz). Die Stimmgabeln wurden dabei nicht auf den Körper aufgesetzt, sondern nur im Hörfeld angeschlagen.
Zu meiner Überraschung berichtete sie, dass sie die Klänge auch auf ihrem „schlechten“ Ohr deutlich wahrnehmen konnte.
Diese Erfahrung hat mich neugierig gemacht.
Warum können Stimmgabeln anders wahrgenommen werden?
Stimmgabeln erzeugen einen sehr reinen Sinuston, der sich von komplexen Alltagsgeräuschen unterscheidet.
Anders als ein Lautsprecher, der viele Frequenzen gleichzeitig abstrahlt, schwingt die Stimmgabel mit einer klar definierten Frequenz.
Dadurch entstehen besonders gleichmäßige Schallwellen, die vom Hörsystem oft sehr präzise verarbeitet werden können.
Hinzu kommt, dass unser Gehör weit mehr ist als das Trommelfell allein. Schall wird über das gesamte Hörsystem verarbeitet und das Gehirn kombiniert Informationen beider Ohren miteinander. Selbst wenn ein Ohr stark eingeschränkt ist, können bestimmte Klänge dennoch wahrgenommen werden – je nach Ursache der Hörminderung und den noch vorhandenen Funktionen des Hörsystems.
Ob genau dieser Mechanismus die Wahrnehmung der Stimmgabel erklärt, lässt sich im Einzelfall nicht sicher sagen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass manche Menschen reine Stimmgabelklänge anders erleben als gewöhnliche Alltagsgeräusche.
Eine persönliche Beobachtung
Diese Begegnung hat mich tief berührt.
Sie erinnert mich daran, wie individuell unser Hören ist und wie wenig wir über die feinen Möglichkeiten der Klangwahrnehmung wissen.
Deshalb sehe ich jede Anwendung auch als Einladung, aufmerksam zuzuhören – nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem ganzen Menschen.
